Freitag, 2. August 2013

Die großen Künstlertechniken: Ei-Öl-Tempera

Albrecht Dürer, Anbetung der Könige
Die Geschichte der Ölmalerei ist nicht so alt wie die Tempera-Techniken. Bereits im Mittelalter, noch bevor das Ölbild großen Rang erlangte, malte man mit Tempera auf Holztafeln. Aus der Ikonenkunst kennen wir das noch aus der byzantinischen Ära. Die Ölmalerei wird im Straßburger Manuskript über Maltechnik beschrieben und wurde von den Niederländern Jan und Hubert van Eyck bekanntgemacht. Und noch lange nach dem Übergang zur Ölmalerei verlor die Tempera nicht ihre Funktion als Untermalfarbe, in der das Bild bis hin zu der letzten, lasierenden Ölfarbschicht aufgebaut wurde. Das Prinzip hieß "fett über mager". Man begann mit der Zeichnung, machte sie durch eine Untermalung plastisch, hierbei wurde meist eine dünne Harzschicht aufgetragen, in der die Partikel der weißen Höhung gut hafteten. So trocknete die Untermalung rasch und erlaubte den Auftrag der finalen Ölfarbschicht. Wenn also bei den Werken der Alten Meister von Ölbildern die Rede ist, so sind diese möglicherweise mit Eitempera untermalt, was in der Renaissance als Selbstverständlichkeit galt.
Was ist der Sinn, Ei und Öl in eine Emulsion zu bringen?
Anrühren von Ei-Öl-Tempera
aus dem Video der Firma Schmincke
Wie es in diesem sehr instruktiven Video von Schmincke erklärt wird, ist der Vorgang, die Farben mit einer Ei-Öl-Mischung anzurühren, mit etwas mehr Aufwand verbunden, als wenn man einfach eine Tempera aus der Tube verwendet. In Tuben ist Ei-Öl-Tempera nur selten zu finden, und das hat seinen Grund in der geringeren Haltbarkeit der Mischung. Ein Vorteil beim Selbermischen ist ja auch, dass man seine Farbe so mager, so fettig oder so harzig anrühren kann wie man selber es braucht.

Ei-Tempera von Rowney
Tempera -- das Wort bedeutet "gemäßigt". Das kommt daher, weil ein ausgewogenes Verhältnis von Ei, Öl, Harz, Pigment und Wasser gefunden werden muss. Harz ist ein Trockungsbeschleuniger, führt aber beim Übermaß zu Trockungsrissen. Ein zu großer Anteil an Öl erzeugt nach dem Trocknen Schrunden, die Oberfläche sieht aus wie ein vertrockneter Apfel. Das liegt daran, dass das Volumen des Öls sich vergrößert, denn im Trocknungsprozess nimmt es Sauerstoff auf. Bei Harz wiederum verdunsten die flüchtigen Lösungsmittel-Anteile, und es schwindet und reißt. Darum führt ein stabiles und gut ausgewogenes Verhältnis von Öl und Harz zu einem gleichmäßigen Trocknungsverhalten und später zu einem haltbaren Ergebnis.
Der Ei-Anteil macht die Farbe geschmeidig beim Anreiben und im Pinsel und erzeugt die feine Verteilung der Partikel, die sich durch die Trübung des Malmittels anzeigt. Das Wasser darf ebenfalls nicht in zu großer Menge zugegeben werden, um die emulgierende Wirkung des Eigelb nicht aufzuheben.
Pigmente aus unserem Sortiment
Die Proportionen von Öl, Harz und Pigment sind in der Ölfarbe gut ausgewogen, wenn Sie sie in Tuben kaufen. Bei der selbstgeriebenen Tempera muss der Maler das richtige Verhältnis austesten. Das mag eine Herausforderung sein, belohnt Sie aber mit einem vielseitigen Material, das rasch trocknet, daher in Schichten in rascher Folge aufgetragen werden kann und sich ideal als Untermalung für Ölfarben eignet. Vielleicht reizt Sie die Freiheit, mit den Komponenten zu experimentieren? Und die selbstangerührte Farbe ist preiswert.
Wir bieten eine reiche Auswahl an Pulverpigmenten und Ölen, Firnissen und weiterem Zubehör an wie Spachtel und Paletten und vieles andere.
Hier finden Sie eine weitere sehr ausführliche Beschreibung der altmeisterlichen Technik.

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