Montag, 13. Mai 2013

Farbe der Woche: Krapplack

Detail aus "Das Fest des St. Rochus" von Canaletto (1697–1768)

Jan Vermeer malte diese Szene,
in der das Rot für Vitalität
und Jugend steht: "Die
Kupplerin"
Rubia Tinctorum, Färberrot, das ist der Name einer Pflanze, die seit dem Altertum bekannt ist und vor allem dazu gedient hat, Textilien rot zu färben. Wie wir schon beim roten Ocker hörten, haben die Menschen die rote Farbe seit dem frühesten Altertum geliebt, offensichtlich, weil sie ein Zeichen des Lebens ist. Optisch verrät sich die Vitalität eines Menschen durch die Rötung seiner Haut, seiner Lippen; Anstrengung treibt uns das Blut zu Kopf, während die Blässe ein Zeichen des Todes ist. Rote Lippen als Zeichen ihrer jugendlichen Kraft malten sich die Frauen von jeher auf, die ältesten Belege dafür gab uns Ägypten. Das Wort "rot" ist in manchen Sprachen, wie Russisch und Türkisch, gleich oder ähnlich dem Wort "schön".
Rubia Tinctorum
Das Rot zu gewinnen, das dem Rot der Lippen am ähnlichsten ist, ist ein komplizierter Prozess. Die Wurzel der Krapp-Pflanze muss vermahlen, ihr Farbstoff extrahiert werden, dann dienen verschiedene Chemikalien wie Zinn- und Aluminiumverbindungen, je nach dem zu erzielenden Farbton, zum Ausfällen der Farbe.
Warum ist das so kompliziert? Während man den roten Ocker, so wie er aus der Erde kommt, vermahlen und gleich mit Öl oder anderen Bindemitteln anreiben kann, gewinnt man als Auszug aus der Wurzel zunächst einen flüssigen Farbstoff.
Stellen Sie sich vor, Sie würden eine rote Tinte dazu verwenden wollen, ein Ölbild zu malen. Das geht so natürlich nicht! Sie brauchen ein Pigment, einen Stoff mit "Körper". Nehmen Sie zum Beispiel eine Substanz wie Schlämmkreide, die der Zahnpasta die Cremigkeit gibt. Stellen Sie sich vor, Sie tränken ein Kreidepulver mit der roten Tinte und lassen diese Substanz trocknen. Dann hätten Sie ein Material, das sich mit Öl vermalen lässt. Dies, mal ganz primitiv dargestellt, ist der Prozess, den man "verlacken" nennt, und nun ist klar, warum wir von "Krapplack" sprechen. Natürlich verlackt die chemische Industrie den Farbstoff in einem chemischen Prozess, so dass die Farbe fest an den Trägerstoff gebunden wird. Wenn dies nicht vollkommen gelingt, kann der Farbstoff wandern, z.B. in darüber gemalte Schichten eindringen, das nennt man "ausbluten".
Ein Gesandter, Gemälde
von W.W.Wereschtschagin


Das Färben mit Krapp war vielerorts bekannt. Aber dennoch war das Färben von brillantesten Rottönen mit Krapp-Auszügen ein Geheimnis des Orient, von wo "Türkischrot" stammte.
Natürlich haben die Chemiker auch deshalb nach einer einfacheren Lösung gesucht. Um die Mitte des 18.Jh. gelang die Analyse des Naturstoffs, dessen färbender Bestandteil Alizarin genannt wurde und den man in der Folge auch synthetisch herstellen konnte. Dieses verdrängte das natürliche Krapprot teilweise vom Markt.
In der Malerei fehlen Krapptöne in keiner Palette, sie sind lichtecht und stabil gegen Säuren und Alkali. Zwar sehen sie im Vergleich zu den heutigen chemischen Rottönen, z.B. aus der Quinacridon-Skala oder den modernen "Theaterfarben" wie Opernrosa, eher gedeckt aus, aber das ist zugleich ihre Stärke. Sie wirken natürlich und fügen sich ins Porträt wunderbar ein. Das tiefe Glühen, das Sie durch Lasuren mit einem Krapprot erzeugen können, ist beeindruckend. Auch bräunliche Töne wie Madderbraun oder Krappbraun besitzen die gleiche transparente Qualität.
Mehr über Krapplack: Hier und hier.
Analyse der verwendeten Farben in einigen Gemälden

Kommentare:

  1. Wow, so viel Information - Eva, Du bist unschlagbar!
    Dieser Blog wird vielen Kuenstlern und solchen die auf dem Weg dahin sind, sehr hilfreich sein! Alle Hochachtung! :-)

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