Montag, 27. Mai 2013

Farbe der Woche: Gebrannte Siena


Mit diesem Farbton knüpfen wir an ein Thema an, das vor einigen Wochen besprochen wurde, an die Roten Erden. Aus der Toscana bei Siena stammten ursprünglich zwei berühmte Erdfarben: Ein gelber Ocker, Siena Natur benannt, und die durch Brennen hieraus gewonnene rotbraune Variante, die Gebrannte Siena. Das im Kristall dieser Erde enthaltene Wasser entweicht durch das Brennen bei hohen Temperaturen von bis zu 800°C. Es gibt kaum noch Werkstätten, in denen solche Pigmente aus natürlichen Erden hergestellt werden. Viele Lagerstätten in Italien und Frankreich sind erschöpft oder der Abbau hat sich nicht mehr gelohnt -- immer mehr der natürlichen Erden sind den synthetischen Farbstoffen gewichen. Die Farbnamen erinnern dennoch an die Gewinnung und Fertigung in früheren Jahrhunderten. 
Wenn Sie ganz sicher sind, einen echten, aus Erde gewonnenen Ocker als Pigment in Pulverform zu besitzen (und nur dann), können Sie aus gelbem Ocker einen etwas rötlicheren Ton gewinnen, wenn Sie ihn in einer Eisenpfanne hoch genug erhitzen. Um einen wirklich roten Ocker zu erhalten, müssen allerdings viel höhere Temperaturen erreicht werden. Aber ich habe es probiert, es funktioniert.
In Frankreich belebt die Bewegung "Terres et Couleurs" die Nutzung der natürlichen Ockerfarben seit 1995 mit einfachsten Mitteln. Farben werden aus ungiftigen Grundstoffen hergestellt wie Mehl, Erdpigmenten und Leinöl -- bisweilen fragt man sich wirklich, ob die Handwerker Pfannkuchen oder Anstriche erzeugen wollen. Das Ergebnis ist atemberaubend. Wer meint, dass Erdfarben immer gedämpfte Tone sind, wird mit brillanten Gelb-, Orange- und Rottönen konfrontiert.
Die gebrannte Siena fällt dabei in die Kategorie der orange-braunen Töne. Sie ist ein Lasurton und kann lebhaft und kräftig wirken, auf jeden Fall aber warm und satt. Sie ist ein Lieblingspigment der Maler seit jeher. In der Landschaftsmalerei stellt sie zum Beispiel Ziegelgebäude dar, in der Akt- und Porträtkunst hilft sie beim Anlegen warmer Schatten oder gebräunter Teints.
Wir berichteten schon über die Terra Sigillata, das Material für Gefäße, die in der römischen Antike die Tafeln zierten. Ob man damals schon die gesundheitsschädliche Wirkung von Bleiglasuren kannte, sei dahingestellt; die römischen Töpfer setzten offensichtlich ihren Ehrgeiz darein, unglasierte Gefäße so dicht und glatt zu produzieren, dass sie für Wein, Öl und Speisen verwendet werden konnten, und das wurde erreicht, indem das halbtrockene (und natürlich noch ungebrannte) Tongefäß im "lederharten" Zustand poliert wurde. Es kann in diesem Zustand durch Abreiben mit einem Holz- oder Knochenspatel auf Hochglanz gebracht werden, ohne dass eine Glasur verwendet wird. Auf dieser Produktionsstufe kann es mit flüssigem Ton, sogenannter Engobe dekoriert oder auch mit eingeschnittenem Dekor versehen werden. Während der Ton noch weich ist, können Stempel verwendet werden, um die Oberfläche zu beleben.
So wie damals das warme Orangerot als höchst dekorativ empfunden wurde, schätzen die Maler der heutigen Zeit den Farbton Gebrannte Siena für Stadtansichten, Landschaften und für die Darstellung des menschlichen Körpers.
In unseren Farbsortimenten ist Gebrannte Siena ein Standardton, der in keiner Serie fehlt.





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